Pinot Noir
Pinot Noir

Ein Anfang in leisen Tönen


Und jedem Anfang
wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt
und der uns hilft,
zu leben.
Hermann Hesse

Manche Anfänge entstehen leise. Ohne großen Anspruch auf Aufmerksamkeit – aber mit einer inneren Konsequenz, die sie langfristig bedeutsam machen.

Der Pinot Noir von Lucas Pichler ist so ein Anfang.

Er ist nicht das Ergebnis eines Trends, sondern einer über die Jahre gewachsenen Überzeugung. Kein stilistisches Experiment, sondern die logische Weiterführung eines Denkens, das seit Generationen von Präzision, Herkunft und kompromisslosem Qualitätsstreben geprägt ist.


Damit das
Mögliche entsteht,
muss immer wieder
das Unmögliche
versucht werden.
Hermann Hesse

Eine Familie mit Rotwein-Passion

Es war bereits der Vater von Lucas Pichler, Franz Xaver, der schon Anfang der 80er Jahre die ersten Rotweinreben pflanzte.
Auf einer ebenen Lage mit Schotterböden im Loibner Klostersatz setzte der große Bordeaux-Fan die Rebsorte Cabernet Sauvignon,
die er allerdings schon nach dem ersten Ertragsjahr wieder rodete.
Der akribische Qualitätsfanatiker war zur Überzeugung gekommen, dass das Klima in der Wachau für diese Rebsorte nicht geeignet war.

Diese Entscheidung war keine Korrektur – sie war Ausdruck einer Haltung. Der Bereitschaft, große Namen nicht über die Realität des Ortes zu stellen. Der Einsicht, dass Herkunft stärker ist als Ambition.


Auch sein Sohn Lucas hegt seit langer Zeit den Wunsch, Rotwein zu machen. Über die Jahre hinweg war eine immer größere Leidenschaft für Pinot Noir entstanden. Durch Einladungen bei Weinfreunden und leidenschaftlichen Weinsammlern hatten er und seine Frau Johanna in der Vergangenheit häufig die Möglichkeit, die größten Burgunder der Welt zu verkosten und ein immer tieferes Verständnis für die Machart solcher Weine entwickelt. Lucas‘ großes Vorbild sind die Pinot Noir-Weine aus den legendären Grand-Cru-Lagen der Côte de Nuits, die weltweit als Inbegriff für Finesse und Komplexität gelten: Chambolle-Musigny, Gevrey-Chambertin und Vosne-Romanée.


Privat trinken Johanna und ich sehr oft Pinot Noir, ob aus Deutschland, Frankreich oder Übersee – und wir wollten uns beweisen, dass auch in der Wachau ein großartiger Pinot auf internationalem Niveau möglich ist.
Lucas F. Pichler

Tief verankertes Verständnis

Was hier entstand, war kein theoretisches Interesse, sondern ein tief verankertes sensorisches Verständnis. Große Pinot Noirs definieren sich nicht über Intensität, sondern über Spannung, Transparenz und Länge. Sie entziehen sich schnellen Urteilen – und genau darin liegt ihr Zauber und ihre Größe“.

Wo der Pinot Noir wächst

Am linken Ufer der Donau bewirtschaftet das Weingut F.X. Pichler mittlerweile insgesamt 0,55 Hektar Pinot Noir in vier unterschiedlichen Parzellen, die zu einer Assemblage „Wachauer Pinot Noir“ vereint werden. Die Wahl der Assemblage ist hier kein Kompromiss, sondern Konzept.


Loibner Rothenhof

Die nach Südosten ausgerichtete Lage liegt an einem kleinen Talausgang zwischen der Ried Steinertal und der Ried Pfaffenberg, direkt am Wald. Die kühle und sehr luftige Lage verfügt über einen kalkhaltigen Sand-Lössboden. Die über 20 Jahre alten Sauvignon Blanc-Reben wurden im Juni 2020 zu Pinot Noir umveredelt.
Es sind dies zwei alte Selektionen aus dem Burgund – sehr kompakt und kleinbeerig.


Loibner Mühlpoint

Am Bergfuß unterhalb der Ried Steinertal liegt die Ried Mühlpoint.
Der Boden setzt sich aus abgeschwemmten und angelagertem Urgestein Sandboden aus Gföhler Gneis zusammen, der leicht kalkhaltig ist. Die Lage ist sonnig und warm, mit Ausrichtung nach Süden. 2020 wurde die Parzelle je zur Hälfte mit den zwei „Dijon-Klonen“ 777 und 115, neu bepflanzt.
Zuvor standen hier Grüner Veltliner-Reben, die meistens für den Grünen Veltliner „M“ geerntet wurden.


Loibner Burgstall

Auf einem sehr warmen und sonnigen Hochplateau in Unterloiben, das aus reinem Gneis mit angewehter Lössauflage besteht, stehen Riesling Reben. Die Parzelle ist sehr gut durchlüftet und daher ein idealer Standort für Pinot Noir. 2020 wurden hier circa 0,2 Hektar zu Pinot Noir umveredelt, und zwar mit denselben Burgunderklonen wie im Rothenhof.


Dürnsteiner Liebenberg

Die Parzelle besteht aus zwei Terrassen am Bergfuß des Liebensbergs. Die Böden sind geprägt von einer Kalkrutsch-Masse aus dem Waldviertel, wodurch sie sehr gut wasserspeichernd sind und einem Schieferanteil, wie er auch in der berühmten Ried Achleiten, vorkommt. Der hohe Kalkanteil ist besonders vorteilhaft für Pinot Noir. Die Lage ist durch ihre Exposition nach Südwesten und der langen Abendsonne sehr warm. 2020 wurden hier 40 Jahre alte Grüne Veltliner-Stöcke mit den „Dijon-Klonen“ 777 und 115 umveredelt. 2025 wurden zwei weitere Terrassen direkt daneben erworben und mit den Burgunder-Selektionen wie sie im Rothenhof und am Burgstall stehen, neu bepflanzt.


Weissenkirchner Seiberberg

Die Lage befindet sich nordwestlich des Ortes auf einem Hochplateau. Die tiefgründigen Urgesteinsböden aus Gneis mit Lössauflage bieten eine gute Wasserversorgung.
Kühle Winde aus dem Norden durchlüften die Parzelle und unterstützen eine späte Reife. Dieser Weingarten wurde bereits 2005 von Karl Stierschneider, Weingut Kartäuserhof in Weissenkirchen, mit Pinot Noir bepflanzt.
Die Reben stammen aus dem Burgund und einer Züchtung von Josef Jamek, Weingut Jamek aus Joching. Seit 2012 wird dieser Weingarten vom Weingut Tegernseerhof in Unterloiben bewirtschaftet. Für die Jahrgänge 2022, 2023 und 2024 wurde ein Teil dieser Trauben zugekauft und selbst geerntet.

 

Pinot Noir reagiert sehr sensibel auf kleinste Unterschiede. Eine einzelne Lage kann Tiefe besitzen – mehrere Lagen können mehr Komplexität erzeugen. Genau diese Vielschichtigkeit ist das Ziel: kein monolithischer Wein, sondern ein präzise komponiertes Ganzes.

Die Reben

Neu ausgepflanzte Pinot Noir-Reben als auch umveredelte Reben sind die Basis für F.X. Pichlers Pinot Noir.

Im Frühjahr 2020 wurden ausschließlich „Dijon-Klone“ 777 und 115 neu ausgepflanzt. Die Edelreiser für die Umveredelungen stammen aus Gols im Burgenland, wo die Familie Stieglmar, vom Weingut Juris, bereits in den 1960er Jahren unterschiedlichen Pinot Klone aus dem Burgund, pflanzte.
Die Edelreiser für das Weingut F.X. Pichler wurden im Jänner 2019 geschnitten, die erste Umveredelung fand im Juni 2020 statt.

Aufgrund der Pandemie und der späten Reisegenehmigung für die Veredelungsspezialisten aus Korsika, lag die Anwuchsrate bei nur 60 Prozent. Im Jänner 2021 wurden daher erneut Edelreise aus denselben Weingärten der Familie Stieglmar geschnitten, die fehlenden Stöcke damit ergänzt bzw. in der Ried Dürnsteiner Liebenberg umveredelt. Die Anwuchsrate lag diesmal bei 90 bis 95 Prozent.
In der Ried Seiberberg konnte Lucas Pichler auf Trauben zurückgreifen, die bereits 2005 mit verschiedenen Burgunderklonen bepflanzt worden waren.

Die klimatischen Bedingungen

Das kleine Weinbaugebiet Wachau mit circa 1.300 Hektar Rebfläche, erstreckt sich auf rund 20 Kilometern entlang der Donau, wobei die Weinberge mehrheitlich am linken, nördlichen Ufer des Flusses liegen. Das „Loibner Becken“, rund um Dürnstein, Oberloiben und Unterloiben in dem das Weingut F.X. Pichler seine Riede bewirtschaftet, ist der östlichste Teil der Wachau. Das breite Tal ist nach Osten hin geöffnet, wodurch sich ein Klima-Fjord bildet. Der nördliche und westliche Teil des Tales ist durch kontinentales Klima mit kühleren Temperaturen und höheren
Niederschlägen geprägt. Vom Osten her strömen warme und trockene Winde des pannonischen Klimas ins Tal ein. Die steilen und kargen, meist terrassierten Weinrieden sind nahezu permanent luftdurchflutet.

Der obere Teil einer Ried wird dabei von der Kühle des Waldes beeinflusst, niedriger liegende Lagen eher von der Ausrichtung nach Süden, sowie vom Wasser des Donauflusses. Die Riede folgen den Konturen des Bergmassivs, wodurch die Ausrichtung ständig variiert. Dadurch entsteht enorme Vielfalt und die detaillierte Lage eines Weinbergs spielt daher eine große Rolle im Weinbau der Wachau.

Die Wachau ist auch in Zeiten des voranschreitenden Klimawandels noch immer eine Cool-Climate-Region. Doch auch hier wird es jährlich wärmer und trockener. Für die Weißwein-Trauben hat sich der Lesezeitpunkt während der letzten 15 Jahren um circa einen Monat nach vorne verschoben. Davon sind etwa zwei Wochen einer Neuausrichtung der Betriebsphilosophie im Weingut F.X. Pichler geschuldet. Die Trauben werden früher – physiologisch reif, aber nicht überreif – mit Botrytis geerntet. Auf absolute Unversehrtheit und perfekte Gesundheit der Trauben wird stets geachtet. Weitere zwei Wochen sind durch die klimatische Veränderung bedingt. Die physiologische Reife der Spätburgunder-Trauben wird meist bereits Anfang September erreicht.

Ergänzend lässt sich sagen: Die Wachau hat kein Gleichgewichtsklima – es entsteht eine Spannung zwischen kontinentaler Kühle und pannonischer Wärme – ein dynamisches System, das jedes Jahr neu interpretiert werden muss. Für die Arbeit in Pinot Noir-Weingärten bedeutet das: keine Routine, sondern permanente Anpassung.


Ein Wein, der nicht sofort alles preisgibt. Ein Wein, der sich mit Luft und Zeit entfaltet. Ein Wein, der weniger durch Frucht als durch Struktur und Energie definiert ist.

Seine Qualität liegt nicht in der ersten Impression, sondern in der Persistenz.
Lucas F. Pichler